Fliegender Tesla, CO2-Kompensation und nachhaltige Kraftstoffe

Am 11. Mai 2022 fand bei sommerlichen Temperaturen im Frankfurter HOLM (Home of Logistics & Mobility) eine von Corps touristique gemeinsam mit der IATA initiierte Podiumsdiskussion zur aktuellen Thematik „Klimaschutz im Luftverkehr“ statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Präsidentin des CT, Hanna Kleber. An der Podiumsdiskussion nahmen teil: Bernhard Dietrich, Leiter des Kompetenzzentrums für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr (CENA Hessen), Lars Kröplin, Leiter Corporate Responsibility Strategy (Lufthansa), Prof. Karl-Rudolf Rupprecht, Fachbereich Aviation & Tourism (IAT) der Frankfurt University of Applied Sciences, sowie Mathias Jacobi (Area Manager) und Michael Schneider (Assistant Director Environmental Programs) der IATA.

Michael Schneider verwies zunächst auf die seit 2009 gesteckten Ziele der Luftfahrtbranche: Treibstoffeffizienz um 1,5 Prozent steigern, neutrales Wachstum bis 2020, Emissionsfreiheit bis 2050. Bis zur Mitte des Jahrhunderts steige das Passagieraufkommen nach Berechnungen der IATA von 2-3 Milliarden auf über 10 Milliarden Passagiere an. Im Fokus der Forschung stehen neben Flottenerneuerungen und Gewichtsreduktionsmaßnahmen vor allem nachhaltige Kraftstoffe, die Sustainable Aviation Fuels (SATs). Deren heutige Verfügbarkeit liegt bei 100 Millionen Litern, der Bedarf wird jedoch auf 449 Milliarden Liter bis 2050 ansteigen. „SATs werden zu 65 Prozent dazu beitragen, das Ziel der Emissionsfreiheit zu erreichen“, schätzt Schneider. Deren Forschung und Entwicklung in ausreichender Menge müsse diesbezüglich unabhängig von fossilen Energieträgern vorangetrieben werden, sei aber aktuell noch problembehaftet, weiß Prof. Karl- Rudolf Rupprecht.

Trotz aller Bemühungen bleibt die Emissionsfreiheit bis 2050 ein hehres Ziel, denn rein batteriebetriebene Elektroflugzeuge oder solche mit Wasserstofftank sind technisch nicht in Sicht. Einen „fliegenden Tesla“, so Lars Kröplin, wird es in naher Zukunft nicht geben. Das Schlüsselwort heißt aktuell Kompensation, da Reduktion nicht immer möglich sei. „Bis 2030 hat die Lufthansa 200 neue, effizientere Flugzeuge geordert“, berichtet Kröplin weiter. Auch er sieht bislang keine wirtschaftlich sinnvolle Zukunft der E-Aviation auf Langstreckenflügen. Über die Notwendigkeit des verstärkten Klimaschutzes im Luftverkehr herrscht unter den Teilnehmern der Diskussionsrunde und den Gästen breiter Konsens. Die Partizipation der Fluggäste an der Kompensation ist indes noch ausbaufähig. Für die Berechnung des CO2-Verbrauches hat die IATA ins Zusammenarbeit mit 20 Airlines eine Methode entwickelt, die zum Branchenstandard werden soll. Aber auch hier gibt es noch weiteren Abstimmungsbedarf: „Wir nutzen derzeit unserern eigenen Algorithmus, der in Zusammenarbeit mit der NGO myclimate entwickelt wurde“, so Kröplin.

Nachhaltige Kraftstoffe oder Kompensation? Dieses Thema wird auch in Zukunft wichtig bleiben und die Branche noch vor große Herausforderungen stellen. Die Podiumsdiskussion machte indes deutlich, dass unterschiedliche Lösungsansätze vorangetrieben werden, um die Emissionsfreiheit langfristig zu erreichen. CT-Präsidentin Hanna Kleber dankte den Teilnehmern der Podiumsdiskussion für den lebendigen Austausch und den anwesenden Gästen im Publikum für ihre Fragen und rege Anteilnahme. Die Moderatorin schloss mit der Einladung, den Fortschritt zum Thema in einem Jahr im selben Rahmen erneut zu diskutieren.

DOWNLOAD Flyer der Veranstaltung

v. l. n. r.: Bernhard Dietrich (CENA), Michael Schneider (IATA), Prof. Karl-Rudolf Rupprecht (FSAS-IAT), Lars Kröplin (LUFTHANSA), Hanna Kleber (CT), Mathias Jakobi (IATA)

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